Kinder- und Jugendpsychotherapie Hans Adolf HildbrandtPsychtherapeuthische Praxis
psychoanalyse_u_gesellschaftskritik
Dr. phil.
HANS-ADOLF HILDEBRANDT
  • Kinder- u. Jugendlichen-
    Psychotherapeut
  • Dipl.-Pädagoge, M.A.
  • Dip.-Supervisor (DAGG) (DGSv)
  • Gruppenpsychotherapeut (BAG)

Entfremdeter Dialog

Entfremdung bedeutet, dass das Wort vom Gefühl abgetrennt, der innere Dialog damit unterbrochen ist, Wenn dies geschieht, sollte man merken, dass etwas schief gelaufen ist und dass man begonnen hat, mit Worten zu spielen, statt sich seiner inneren Realität bewusst zu werden, Gedanken und Gefühlen für real zu halten, die man ohne den Einfluß andauernder Suggestionen und raffinierter Manipulationsmethoden nicht denken oder fühlen würde. Wenn wir nicht die wahre Bedeutung hinter dem doppelzüngigen Gerade, die Wahrheit hinter den Illusionen sehen können, sind wir unfähig, uns selbst so wahrzunehmen, wie wir wirklich sind, dann nehmen wir uns stattdessen nur als diejenigen wahr, die wir sein sollen.
Daher gilt mein Interesse vor allem der gesellschaftlichen Verdrängung, gegenüber der die individuelle Verdrängung nur individuelle Varianten und Abweichungen darstellen, die auf dem Boden der gesellschaftlichen Verdrängung operieren und in diesem oder jenem Bereich mehr oder weniger viel zur Verdrängung beitragen.
Viele Menschen stehen unter dem Eindruck der industriellen Vorstellungen der Psychologen, dass sie mit diesen glauben, den Menschen so ansehen und behandeln zu können, wie ein Automobilmechaniker ein Automobil ansieht und behandelt: Wenn etwas falsch ist, wird es „geflickt“, und schon funktioniert der Mensch wieder. Dies ist eben nicht die Methode, die Freud angewandt hat, und dies ist auch keine Methode, mit der man Menschen heilt – Automobile ja, aber keine Menschen. Hier wird der große Unterschied zwischen der Beobachtung von Menschen und der Beobachtung von Sachen und von Dingen deutlich. Das Gespür für diesen Unterschied ist heute vielfach verloren gegangen.
Für mich besteht die Zukunft der Analyse darin, dass sie wieder eine kritische Theorie wird, indem sie hilft, die heute in den Individuen und in der Gesellschaft entscheidenden Verdrängungen aufzuklären, Widersprüche aufzuhellen und Ideologien zu entzaubern; indem sie zeigt, dass das, was Freud das „Unbehagen in der Kultur“ genannt hat, in Wirklichkeit schon eine Pathologie der kybernetischen Gesellschaft ist. Die Kontroverse ist eine der wesentlichen Denkfiguren der Psychoanalyse. Für die Psychoanalyse als Theorie innerer und äußerer Konflikte ist das Widersprechen, die Diskussion, essentiell.